Der Pflanze „ins Maul düngen“, um Nitratbelastung zu vermeiden

CDU Steimbke informierte über Trinkwasserschutz und Schadstoffbelastungen

Steimbke. Mit einer Übersicht über die einzelnen Versorgungsgebiete und die dort festgestellten Schadstoffe im Grundwasser sorgte der Geschäftsführer des Kreisverbandes für Wasserwirtschaft Nienburg, August Lustfeld, für einen kurzen Moment stiller Lektüre in der ansonsten durch zahlreiche Nachfragen geprägten Diskussionsrunde zum Thema Trinkwasserschutz, zu der die Steimbker CDU ins Hotel „Zur Post“ eingeladen hatte. Der Vorsitzende des CDU-Samtgemeindeverbands, Dr. Holger Spreen, hatte eingangs auf die zunehmende öffentliche Debatte speziell zur Nitratbelastung im Grundwasser hingewiesen, die nach einer aktuellen Stellungnahme des Umweltbundesamtes zu steigenden Kosten bei der Trinkwasseraufbereitung führen könnte. Die CDU wolle mit der Veranstaltung in ihrer Reihe „Mitten im Leben“ zur sachlichen Aufklärung beitragen und über Hintergründe informieren. Mit Lustfeld und dem Leiter der Fachgruppe Ländliche Entwicklung der Bezirksstelle Nienburg der Landwirtschaftskammer, Dr. Frank Schmädeke, standen zwei fachkundige Experten den rund 40 Anwesenden, unter ihnen auch der SPD-Samtgemeindebürgermeister, Rede und Antwort.

Lustfeld verwies eingangs seines Vortrags darauf, dass Grundwasser der wichtigste Bodenschatz in Deutschland sei, da 74 % des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen werde. Grund zur Sorge bestehe für die Verbraucher aktuell jedoch nicht. Alle Wasserversorger in Deutschland hielten die strengen Grenzwerte nach der Trinkwasserverordnung ein. Vor Jahren war dieser Wert für Nitrat noch bei 90 mg/l, aktuell sind es EU-weit 50 mg/l. Einmal monatlich mache das Gesundheitsamt von Amts wegen unangekündigte Probemessungen in allen Netzen, um hier für stete Sicherheit zu sorgen. Er wies auch auf die weiteren Beeinträchtigungen des Trinkwassers hin, etwa durch 600 Substanzen in Pflanzenschutzmitteln oder 2671 Wirk- und Zusatzstoffe in 9000 Medikamenten. Speziell auf die Nitrateinträge aus der Landwirtschaft ging Frank Schmädeke näher ein. Die Betriebe bräuchten Stickstoff für eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung. Man könne aber heute den Pflanzen bereits „ins Maul düngen“, also mit möglichst wenig Verlusten in den Boden. Erfolgreich etabliert seien dafür Kooperationen mit Bewirtschaftern in Wasserschutzgebieten, die einen Ausgleich erhielten für speziellen Aufwand zum Wasserschutz. Maßnahmen zum Erhalt des Stickstoffs im Boden seien etwa Untersaaten oder Direktsaatverfahren. In Niedersachsen gebe es auf rund 4.400 qkm Wasserschutzgebiete, rund 10 % der Landesfläche.

In der sich anschließenden, vom Vorsitzenden der CDU-Samtgemeinderatsfraktion Bernd-Christoph Höper moderierten Diskussion wurde deutlich, wie wichtig klare Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse in der häufig mit Emotionen aufgeladenen Debatte zum Thema Nitrat sind. Im Ergebnis waren sich Wasserversorger, Landwirtschaft wie Verbraucher über die überragende Bedeutung des Trinkwasserschutzes einig. Die Steimbker CDU werde dies deshalb auch in der politischen Diskussion immer wieder deutlich machen.